Schaltschrank-Festival: „Austausch mit Aha-Effekt“
1 Schaltschrank-Festival: „Austausch mit Aha-Effekt“1
Das Schaltschrank-Festival findet 2026 zum dritten Mal statt. Nach rheinischen Maßstäben schon eine Tradition. Wie ist sie entstanden, was macht sie aus?1
Wie gerade gehört steht dahinter die Initiative SchaltschrankGESTALTER. Was genau macht sie?2
Warum wird GESTALTEN bei Euch großgeschrieben – im wahrsten Sinne des Wortes?3
Nochmal zurück zum Schaltschrank-Festival: Gibt es eine vergleichbare Veranstaltung?4
Du spielst wahrscheinlich auch auf die Vorträge an. Was ist das Besondere daran?5
Das Schönste zum Schluss: Euer persönliches Highlight beim Schaltschrank-Festival 2026?5
Das Schaltschrank-Festival findet 2026 zum dritten Mal statt. Nach rheinischen Maßstäben schon eine Tradition. Wie ist sie entstanden, was macht sie aus?
Kloke: Die Idee des Schaltschrank-Festivals ist, eine Plattform und einen entspannten Rahmen zu bieten, damit sich Menschen austauschen können, die in dieser Branche arbeiten. Schaltschränke haben eine große Bedeutung. Sie wirken an vielen Stellen mit, ohne dass es uns immer gleich bewusst ist. Mit Schaltschränken werden Energieflüsse sichergestellt und Automatisierungsaufgaben gelöst. Sie sind also extrem wichtig, und wir wollen, dass sich die Menschen, die an ihrem Bau beteiligt sind, treffen und voneinander lernen können. Auf die Idee mit dem Festival sind wir 2024 gekommen. Von Anfang an war uns dabei klar, dass das Grundkonzept einfach gehalten werden sollte. Jeder von uns Herstellern, die in der Initiative der SchaltschrankGESTALTER mitmachen, hat einen Ausstellungstruck, ein Infomobil oder wie auch immer eine mobile Ausstellung genannt wird. Wir wollten keinen großen Aufwand treiben, sondern diese Fahrzeuge in einen Kreis stellen, daneben einen Grill, Getränke und ein bisschen Musik. Einfach einen guten Tag haben. So ist diese Idee entstanden – und sie hat sich durchgesetzt. Von Anfang an haben die Gäste die Möglichkeit genutzt, sich mit den sehr spezifischen Themen für Schaltschrankbauer, Maschinenbauer oder Anlagenbauer zu beschäftigen. Alle, die sich dort treffen, haben ähnliche Herausforderungen. Man kann sich austauschen und ins Gespräch kommen. Bei uns geht es weniger um die schicke PowerPoint-Präsentation und mehr um den Schraubendreher in der Hand. Man kann etwas ausprobieren, direkt im Schaltschrank.
Michels: Was das Schaltschrank-Festival stark und damit auch schon zu einer Tradition macht, ist die Konzentration auf das Wesentliche. Messen sind meist eher breit aufgestellt. Da rennst du von Pontius zu Pilatus und dann ist noch die Frage, ob du die richtigen Ansprechpartner triffst. Beim Schaltschrank-Festival sorgen wir dafür, dass Techniker da sind und dass das Personal in den Trucks explizit Hands-on erklärt. Das haben unsere Besucher dann den ganzen Tag. Viele nutzen das – und bleiben wirklich von morgens bis abends da. Sie profitieren davon, sämtliche wichtigen Firmen abklappern zu können. Sie haben alle ihre technischen Lösungen vor Ort. Zusammen mit den Vorträgen ist das ein sehr kompaktes Paket, das da geboten wird. Und das auch noch in toller Atmosphäre, denn auf dem Festival kann man sich einfach wohlfühlen.
Wie gerade gehört steht dahinter die Initiative SchaltschrankGESTALTER. Was genau macht sie?
Michels: Die SchaltschrankGESTALTER, das sind zum einen die fünf Unternehmen Phoenix Contact, Eplan, Rittal, Siemens und Wago – jeweils vertreten in den Strategie-, Marketing- und Technik-Teams. Hinzu kommt das Gremium, das besetzt ist mit Geschäftsführern von Schaltschrankbauern aus ganz Deutschland. Und natürlich die wachsende Community.
Kloke: Wir greifen hier die Themen auf, die die Schaltschrankbauer bewegen. Das Gute ist: Wir begegnen uns auf Augenhöhe und tauschen uns wirklich aus. Und das, obwohl wir natürlich auch Wettbewerber sind. „Ich öffne den anderen die Tür“, ist schnell gesagt. Es tatsächlich zu tun, braucht aber Mut. Am Ende merkt man: Man gewinnt deutlich mehr, wenn man Wissen teilt, als wenn jeder für sich kämpft. Das gilt gerade auch für die Schaltschrankbauer, die häufig stark regional geprägt oder in einer bestimmten Branche unterwegs sind. Mut war von Anfang an Triebfeder der Initiative, denn sie ist im Grunde genau dadurch entstanden: durch Mut und das Engagement einzelner Menschen. Gestartet sind wir 2019. Phoenix Contact und Eplan waren von Anfang an dabei. Heute bin ich immer noch stolz darauf, dass wir Idee und Konzept über die Pandemie-Zeit gerettet haben. Nachdem wir live den Prozess, die Idee und die Motivation gemeinsam geschärft hatten, sind wir zunächst auf Webinare umgestiegen. Damals hatten wir mit zweieinhalb bis dreieinhalbtausend Zuhörern Zugriffszahlen, die für uns vorher kaum vorstellbar gewesen waren. Aber klar: Das war die Corona-Zeit – da haben wir alle Fernsehen geguckt. Heute treffen sich die Menschen zum Glück wieder lieber in Präsenz.
Warum wird GESTALTEN bei Euch großgeschrieben – im wahrsten Sinne des Wortes?
Kloke: Gestalten ist ein aktives Wort. Und gestalten zu wollen, ist gerade für den Schaltschrankbau ein großer Hebel. Kein „Das haben wir immer schon so gemacht“, sondern ein „Wir nehmen es selbst in die Hand“. Wie gestaltet der Schaltschrankbauer seine Prozesse? Wie gestaltet er sein Geschäftsmodell? Historisch ist die Funktion stark handwerklich geprägt. Aber die Branche muss sich auf Weg machen – von der Manufaktur zur Smart Factory. Schaltschrankbauer müssen überlegen, wie sie ihre Prozesse so gestalten, dass sie wettbewerbsfähig bleiben. Und genau das machen wir mit ihnen – gemeinsam. Denn es gibt nicht die eine „Lösung X“, die für alle passt, sondern sehr individuelle Schlüssel, je nach Ausgangslage. Wir wollen Lust auf dieses Gestalten machen. Ich glaube, das würde auch der deutschen Wirtschaft insgesamt guttun: wieder mehr Lust aufs Gestalten. Und aufs Entscheiden.
Michels: Es geht genau darum, einfach mal ein bisschen anders zu sein. Man könnte sagen, einen Schaltschrank zu bauen ist ein verstaubtes, schon immer dagewesenes Handwerk. Ein Schaltschrank ist oft zu, steht in der Ecke und sieht nicht attraktiv aus. Das ist von außen halt eine Kiste. Wenn man aber dann mal schaut, was in der Branche wirklich abgeht, wird schnell klar: Der Schaltschrank ist ein „Hidden Champion“. Und um das Ding zu bauen, ist jede Menge Expertise, Innovation und auch Kreativität erforderlich. Da kann man also tatsächlich gestalten. Und das Schöne an so einem Schaltschrank ist eben, dass er das Herz der Automatisierungstechnik ist. Im Schaltschrank „verstecken“ sich die ganzen Automatisierungskomponenten, die aber letztlich die Steuerung einer Maschine oder Anlage sicherstellen. Und dieses „Herzstück“ wird beim Schaltschrankbauer gefertigt und tut dann in der Industrie lange seinen Dienst. Wenn man so etwas gebaut bzw. gestaltet hat, kann man sehr stolz darauf sein.
Nochmal zurück zum Schaltschrank-Festival: Gibt es eine vergleichbare Veranstaltung?
Kloke: Ich zumindest kenne keine. Mit Blick auf das Produktportfolio des deutschen Schaltschrankbaus decken wir mit der Veranstaltung alles ab. Aber nicht nur das: Wir haben das Festival ganz gezielt auf Schaltschrankbauer zugeschnitten. Es geht um ihre Fragen, ihre Sorgen und ihre Herausforderungen. Das Festival ist eine Anlaufstelle, an der man sich auf Augenhöhe austauschen kann. Dort kommt der Konstrukteur von Schaltschrankbauer A mit dem Konstrukteur von Schaltschrankbauer B ins Gespräch. Und genau das haben wir in unserer Arbeit auch außerhalb des Festivals in den vergangenen Jahren immer wieder gemerkt: Es entstehen viele Aha-Momente, wenn Menschen sich direkt austauschen. Man braucht ein gutes Angebot an Informationen, aus dem man auswählen kann. Und das ist bei dem Festival wunderbar gegeben. Und wenn wir uns in der Funktion der Schaltschrankbauer gegenseitig unterstützen, können am Ende alle einen besseren Job machen.
Michels: Plus diese Praxisrelevanz – die ist auch entscheidend. Als Besucher einer Messe muss ich viel reinstecken, damit ich auf des Pudels Kern komme. Wir aber haben ein gutes Verständnis dafür, wie die Welt der Branche wirklich aussieht und welche Punkte vielleicht Bauchschmerzen verursachen. Und diese Themen adressieren wir. Auch die Gremien-Mitglieder leisten als Schaltschrankbauer mit ihrem Praxis-Wissen einen starken Beitrag zum Festival. Aus der Praxis für die Praxis – von Profi zu Profi; das ist echtes, relevantes Wissen mit Mehrwert.
Du spielst wahrscheinlich auch auf die Vorträge an. Was ist das Besondere daran?
Kloke: Natürlich zunächst das „Was?“ – also die Themen selbst. Aber genauso wichtig ist das „Wie?“ – also wie wir diese Themen angehen. Ein Beispiel: In diesem Jahr geht es unter anderem um UL, also Underwriters Laboratories. Dahinter stehen Anforderungen und Zulassungen für den nordamerikanischen Markt. Wenn Schaltschrankbauer Produkte in die USA oder nach Kanada bringen wollen, müssen sie sich damit beschäftigen. Wenn also eine Maschine, zu der auch der Schaltschrank gehört, nach Amerika exportiert wird, müssen Schaltschrankbauer wissen, welche Anforderungen für sie relevant sind. Genau dafür gibt der Vortrag einen Einstieg. Es wird erklärt, worauf man grundsätzlich achten muss. Das Entscheidende kommt aber danach: Die Experten sind auch nach dem Vortrag noch den ganzen Tag vor Ort. Und das ist der Schlüssel – dass man hier den Experten greifen und fragen kann. „Kannst du mir das noch mal erklären?“, „Wie mache ich es konkret?“, „Welche Erfahrung hast du?“, „Kennst du jemanden, der das schon umgesetzt hat und mit dem ich mich austauschen kann?“ Dann macht das Festival Spaß – weil es in die echte Interaktion geht.
Michels: Das ist es auch, was das Ganze gerade bei komplizierteren Themen attraktiv macht; die Leute gehen nach Hause und können konkret etwas mitnehmen – sagen wir drei Sachen; mehr sollte es meiner Meinung nach gar nicht sein, denn mehr kriegst du eh nicht umgesetzt. Aber das Paket ist schaffbar. Eine Sache kann ich ab morgen anders machen, die nächste kann ich über zwei, drei Monate implementieren und für die letzte lasse ich mir noch etwas längerfristig Zeit.
Das Schönste zum Schluss: Euer persönliches Highlight beim Schaltschrank-Festival 2026?
Michels: Ich freue mich sehr, dass die Agenda maßgeblich durch Gremienmitglieder und Technologiepartner gestaltet wird. Das heißt für mich, dass sich das Event zu einer Plattform entwickelt, dass es also für viele und in viele Richtungen funktioniert. Die Leute dort – das ist eine echt coole Truppe. Sie wollen für sich und gemeinsam besser werden. Auch durch mehr Austausch. Und das spürt man dort auch überall. Das war von Beginn an der Gedanke des Festivals und jetzt, bei der dritten Auflage, hat der Gedanke so richtig gezündet. Das finde ich total gut.
Kloke: So blöd es sich vielleicht anhört, aber es ist genau das; ich freue mich auf den Austausch auf Augenhöhe. Auf die Emotion, auf die Stimmung und auf die Energie, die – davon gehe ich fest aus – vor Ort wieder entstehen wird. Für mich ist entscheidend, dass die Menschen dort nicht nur inspiriert nach Hause gehen, sondern einen konkreten Ansatz mitnehmen, den sie in ihrem Alltag wirklich umsetzen können. Vielleicht ist es ein neuer Blick auf den eigenen Prozess, eine Idee für die Werkstatt, ein Kontakt zu jemandem, der ein ähnliches Thema schon gelöst hat, oder einfach der Mut, etwas anzufangen. Wenn jeder mit einem solchen konkreten Impuls nach Hause fährt, hat das Festival seinen Zweck erfüllt. Darauf freue ich mich. Und auf die Currywurst!
Expertenaustausch in lockerer Atmosphäre
Wollen Sie auch beim Schaltschrank-Festival dabei sein? Dann sehen wir uns am 3. September von 9 bis 17 Uhr in Mönchengladbach! Nutzen Sie die Gelegenheit – es lohnt sich.